Auch wenn man es vielleicht noch nicht so richtig fühlt, die Weihnachtsstimmung sich einfach nicht einstellen will und der Kopf in der Nasskälte des Novermbers steckengeblieben ist: „Es weihnachtet sehr!“ Jedenfalls in Bucha. Die Häuser sind festlich geschmückt, hoch oben im Kirchturm leuchtet der Stern und der Buchaer Landbackverein lädt zum zweiten Mal zum Winter-Workshop der Wilden Werkstatt ein.
Das Thema kann weihnachtlicher nicht sein, denn wir widmen uns in diesem Jahr den Gewürzen. Ob im Weihnachtsgebäck, dem Stollen, einer wärmenden Goldenen Milch oder leckeren Gerichten – überall spielen sie eine Rolle. Auch die gesundheitlichen Wirkungen der Gewürze auf unseren Körper, ihre Bedeutung in der Menschheitsgeschichte und Kultur spielen im Workshop eine Rolle, zu dem sich fast 50 Gäste angemeldet haben.
Die Sonne taucht den Buchaer Dorfteich in ein letztes goldenes Licht, als die ersten Teilnehmer am Freitagnachmittag eintreffen. Wie immer hat unsere Ines den Raum festlich geschmückt und der Anblick zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher. Eine von ihnen steht ganz still im Raum und sagt: „So schön und liebevoll habt ihr das geschmückt, das muss ich erst einmal auf mich wirken lassen.“ Und damit lässt sie auch die Herzen des Werkstattteams vor Freude erglühen wie ein Adventslicht. — Es weihnachtet sehr.
Beim gemütlichen Kaffeetrinken mit Plätzchenteller, Kaffee und wärmendem Chai Latte lernt man sich kennen, kann seine Nase schon einmal an kleinen Gewürzdösen schnüffeln lassen und alle freuen sich, wenn sie erraten haben, welches Gewürz wohl darinnen verborgen ist. Langsam stellt sich hie und da doch etwas Adventsstimmung ein.
Doch zum langen Verweilen bleibt keine Zeit. Das würzige Menü will bereitet sein. Und so begeben sich die Bäcker hinüber ins Backhaus und widmen sich neben den theoretischen Grundlagen des Brotbackens dem Stollenteig, denn heute darf jeder anstelle des sonst üblichen Brotes einen kleinen Stollen mit nachhause nehmen und der will vorher gebacken sein. Da sind viele Zutaten nötigt und die werden mit einer großen Menge Butter verknetet. Köstlicher Duft verbreitet sich und die kleinen Laibe liegen bald bereit.
Auch zwei verschiedene Brotsorten sind auf dem Plan der Backgruppe: ein Roggen-Sauerteigbrot sowie ein Hefegewürzbrot. Sie sollen noch ganz warm, frisch aus dem Holzbackofen das heutige Menü eröffnen. Enrico und Hartmut stehen den Interessierten in gewohnt fröhlicher Manier mit Rat und Tat zur Seite, teilen ihr reichhaltiges Wissen gern und packen auch selbst mit an. Nebenbei wird noch ein wärmender Punsch bereitet, der Seele und Körper wärmt. — Es weihnachtet sehr.
Derweil erfahren die Teilnehmer der Krautgruppe von Kräuterpädagogin Marion Wissenswertes über die Welt der Gewürze. Seit wann die Menschheit Gewürze benutzt oder worauf der Inhalt eines Flacons der Pharaonin Hatschepsut schließen lässt, wieso Madam Pompadur ihre Wäsche mit Vanille parfümierte oder wozu manche Frau im Mittelalter eine Muskatnuss bei sich trug… diese und andere Fragen zur Geschichte ließen manchen staunen, aber auch die Wirkung, Aufbewahrungstipps oder der Herstellungsprozeß von Zimt, Muskat und Kollegen standen ebenso im Mittelpunkt, wie die medizinischen Verwendungsmöglichkeiten.
Danach bleibt noch genügend Zeit um das Menü der Gewürze vorzubereiten, an manchen Gewürzen zu schnuppern oder in den empfohlenen Büchern zu blättern. Das Kraut-Team der Werkstatt mit Doreen, Nicole, Ines und Youngster Lina-Sophie unterstützt und löst so manches kleine Problemchen. Selbst wenn die Sicherung des Gemeindehauses den ungewohnten Stromverbrauch nicht ganz verkraftet, behalten sie die Nerven. Einen Ingwershot, ein Döschen Goldene Milch Paste und drei Gewürzmischungen werden an die Plätze verteilt und sind kleine Geschenke zum Mitnehmen. — Es weihnachtet sehr.
Wer sich umsieht, erkennt schnell: hier kommt man zusammen, tauscht sich aus, Generationen treffen aufeinander, Menschen aus der Stadt und vom Land genießen die gemeinsame Zeit, schaffen sich zusammen ein schönes Erlebnis, einen gemütlichen Nachmittag.
Auch der reichhaltig bestückte Shop lädt zum vorweihnachtlichen Einkauf ein. Kreative aus Bucha und Umgebung haben von Weihnachtskarten über Honig, Töpferware und Genähtem auch Kräuterprodukte, Nudeln, Brot, Senf und Seife beigesteuert.
Nach drei Stunden ist es dann soweit und das Glöckchen zum Abschlussmenü ertönt. In gemütlicher Runde verspeist man das Entstandene, tauscht Erfahrungen und neues Wissen aus oder genießt einfach die schöne vorweihnachtliche Atmosphäre. Und das ist auch der Moment, in dem das Team der Wilden Werkstatt innehält und weiß, dass die Mühe lohnt: strahlende Gesichter, liebe Worte, gemeinsame Zeit und anregende Erlebnisse, nette Begegnungen – das ist die Vorweihnacht und auch in krisengeschüttelten Zeiten das Einzige, was man diesen entgegensetzen kann: Gemeinsamkeit, Zusammenhalt, Freude bereiten. — Es weihnachtet sehr.
Dass dies der Backverein in den letzten Wochen schon mehrfach befördert hat sei an dieser Stelle nicht vergessen:
Im Oktober waren Mitglieder des Verein „Ländliche Kerne“ e.V. bei uns zu Gast und wurden mit Kaffee und Kuchen köstlich bewirtet. Mit Förderung des Vereins konnten wir Sitzgarnituren für unsere Veranstaltungen anschaffen und konnten auf diese Weise unseren Dank zum Ausdruck bringen.
In Vorbereitung für unsere Weihnachtsmarkt, der am 13.12.25 stattfinden wird, buck unsere 1. Backfrau Katrin wieder einen 2m Stollen mit einem Gewicht von 30kg. Auf ein Stück davon dürfen sich alle Besucher des Marktes schon freuen.
Die Jahresabschlussversammlung des Backvereins fand in diesem Jahr auf der örtlichen Kegelbahn statt. Auch unser Nachwuchs war mit dabei.
Nicht zu vergessen ist das 14-tägige Backen, das von der verschiedenen Backteams immer samstags mit großem Engagement bestritten wird.
Zum Martinsumzug des Kindergartens dürfen Leckereien aus dem Backhaus auch nicht fehlen und so packten auch da fleißige Mitglieder des Vereins zu und zauberten Gebäck vom Feinsten.
Im Moment allerdings gibt es bei allen nur noch ein Thema: die Organisation des Weihnachtsmarktes. 22 Händler sind angemeldet, die Straßensperrung ist genehmigt und alle Arbeitsgruppen, von den „Bäckermützen“ über die „Trinkbrüder“, „Dekospezis“bis zu den „Brutzelfreunden“ – alle kennen ihre Aufgaben und werden dafür sorgen, dass auch der 4.Buchaer Weihnachtsmarkt wieder allen Gästen aus Nah und Fern Weihnachtsfreude aufs Gesicht zaubert. Und dann kann es vielleicht auch der Letzte fühlen: Tatsächlich: „Es weihnachtet sehr“.
Wir sehen uns am 13.12.25 ab 15:00Uhr am Backhaus, dann weihnachtet es sehr.

















