Es ist noch dunkel. Der Nebel liegt über dem Dorfteich und Christian schleicht in dieser Freitagnacht schon das zweite Mal zum Backhaus. Hat das Stück Schweinefleisch, aus dem zum heutigen Weihnachtsmarkt Pulled Pork entstehen soll, auch die richtige Temperatur? Mit der App kann er das zuhause zwar auch überwachen, aber sicher ist sicher und ganz leis beschleicht ihn der Gedanke: Warum mach ich dass? Ich könnt noch so gemütlich im Bett liegen – schließlich beginnt gerade das dritte Adventswochenende und Gemütlichkeit hat Hochkonjunktur.
Katrin, Michaela, Angela und die anderen vom Team „Bäckermützen“ sind auch schon auf dem Weg und das, obwohl sie schon gute Vorarbeit geleistet haben. Am Donnerstag wurden die Beläge für die 12 Bleche Kuchen bereitet. Pudding, Mohnmasse, Nougat, Bienenstich und Walnussmasse mussten auskühlen und wurde am Freitag auf die Böden gestrichen. Der 4m lange Stollen dagegen ist schon länger fertig und konnte seine Aromen voll entfalten, bevor ihn Katrin heute aus seinen Einzelteilen zusammensetzen wird. Das ist schon ein ziemlicher Backmarathon und als Roy einen Kaffee und Motivationsschoki in der Backstube vorbeibringt, nachdem er reichlich Holz für Backofen und Feuertonnen besorgt hat, fragt sich mancher: Warum tu ich mir das nach der Arbeit noch an?
Auch das XXXL-Brot wurde gestern dampfend aus dem Holzofen gezogen, um mit Landleberwurst bestrichen oder zum Leberkäse verspeist zu werden. Am Ofen ist auf Fred und Sven wie immer Verlass. Aber auch den neuen Sauerteig, der über Nacht noch Ruhe braucht verlieren sie nicht aus dem Blick.
Doch jetzt wird erst einmal mit angepackt. Das große Räumen hat begonnen: Aus dem Gemeinderaum entsteht ein Café, aus dem Parkplatz ein gemütlicher Weihnachtsmarkt. 22 Händler haben sich angekündigt und die brauchen alle einen Platz. Da behalten Enrico und Hartmut den Überblick. Seit Monaten besteht der Kontakt zu den angemeldeten Verkäufern und immer noch einer kommt auf den letzten Pfiff hinzu. Warum muss ich mir das nach dem Workshop am letzten Wochenenden nun auch noch aufhalsen? Diese Frage scheint berechtigt…
Am Samstag um 10:00 Uhr stehen alle bereit, manch einer hat sogar die Familie mitgebracht und nun gilt es den Endspurt anzutreten, denn ab 15:00 Uhr erwarten wir die Gäste. Bianca und Kathleen rollen die 500 Bäckerbrötchen übers holprige Pflaster, die für die Bratwürste gebraucht werden. Die haben Kai und Christian besorgt und der Rost steht auch schon bereit und harrt der großen Herausforderung des Abends. Ines die mit ihren Dekorationstalent gerade das Weihnachtscafé geschmückt hat, baut jetzt noch einen Stand auf und auch Doreen hilft wo sie kann. Warum nur? Gibt es zuhause nicht genug zu tun?
Franziska behält bei den Spirituosen den Überblick, denn da fehlt noch der Stromanschluss – die Getränke sollen ja heiß serviert werden… wann kommt nochmal der Elektriker, wo ist denn der Glühweinbehälter und warum klappt das hier mit dem Kakao nicht? Yvonne, Eileen, Jürgen und Heike haben den Stand wunderschön gestaltet, schleppen Zutaten und Gerät, lösen so manches Problem. Zum Glück wird das heute mit dem Ausschank gut klappen, denn Hilfe hat sich angekündigt: der Faschings- und der Kirmesverein stehen dem Backverein tatkräftig zu Seite. Doch wäre es nicht schön, einfach selber mal einen Glühwein trinken zu gehen… Warum mutet man sich hier den Stress hier eigentlich zu?
Achso… Die Waffeln dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die haben Nicole und ihr Team fest im Blick. Alle brachten Waffeleisen mit, damit kein Gast zu lange warten muss und in letzter Minute hat Andrea sich noch um einen Weihnachtsmann gekümmert, die in dieser Zeit ja gewöhnlich auch alle Hände voll zu tun haben.
Und dann ist es soweit.Unsere Pfarrerin Laura Lucia Zech eröffnet den Markt mit ein paar besinnlichen Worten. Auch der Bürgermeister freut sich über die weihnachtliche Stimmung und schon seit 14:00 Uhr sitzen die ersten Besucher im gemütlichen Café. Die Händler haben ihr Stände bereit und neben leuchtenden Holzbäumen sind sogar Weihnachtsbäume im Angebot. Hier findet man Handgemachtes – nichts von der Stange. Honig, Käse, Wildsalami, Handarbeiten, Kinderkleidung, Lebensmittel… alles individuell und selbstgemacht.
Der Weihnachtsmarkt wird angenommen. Man kommt auf einen Glühwein, bummelt an den Ständen entlang. Das Dorf kommt zusammen, Gäste, Freunde, Bekannte aus den Stadt oder der Umgebung kommen dazu, genießen die Atmosphäre. Der Weihnachtsmann mit seinen Geschenken lässt Kinderaugen ebenso leuchten wie das wunderschön illuminierte Feuerwehr auto am Rand des Marktes. Jung und alt trifft sich auf eine Tasse Kaffee und ein Stückchen des köstlichen Stollens, wenn man denn eines ergattern konnte und an den wärmenden Feuertischen lässt es sich vorzüglich Plaudern.
Über allem tönt die Weihnachtsmusik der Rödelwitzer Musikanten und plötzlich wissen wir:
Darum machen wir das. Weil es Freude bringt. Weil es den Zusammenhalt fördert. Weil wir uns kennenlernen, wiedersehen oder zusammenrücken. Weil es schön ist, wenn sich der ein oder andere auf den Weg macht, um die Geselligkeit zu genießen und sich später lachend, schwatzen und zufrieden wieder auf den Heimweg begibt. Weil das Dorf lebendig wird, die Straßen nicht leer, sonder voll fröhlicher Leute sind. Weil ein Lächeln, ein nettes Wort, das Staunen – nicht nur das der Kinderaugen – ein Dankeschön manchmal mehr wert sind als der Gehaltsscheck und … weil Weihnachten ist.
Ein Dank geht raus an alle fleißigen Helfer – ihr seid Spitze! – und an alle freundlichen Gäste – ihr wart ein tolles Publikum!
Bis zum nächsten Event des Buchaer Landbackvereins wünschen wir allen eine gesegnete Advendszeit und ein fröhliches Weihnachtsfest… und wer sich noch ein bisschen mehr darauf einstimmen möchte, der kommt mit seiner Glühweintasse
am 17.12.25 um 18:00 Uhr zum Adventssingen in die Buchaer Kirche.
Fröhliche Weihnachten